Bodenrichtwert
Was ist der Bodenrichtwert?
Kurzversion
Der Bodenrichtwert ist ein durchschnittlicher Quadratmeterpreis für unbebaute Grundstücke in einem bestimmten Gebiet, der auf Grundlage tatsächlich erzielter Kaufpreise ermittelt wird.
ausführliche Erklärung
Der Bodenrichtwert ist ein zentraler Begriff in der Immobilienbewertung und bei der Immobilienfinanzierung. Er bezeichnet den durchschnittlichen Wert des Bodens pro Quadratmeter in einer bestimmten Lage oder Zone und wird auf Grundlage von tatsächlichen Kaufpreisen unbebauter Grundstücke durch die örtlichen Gutachterausschüsse ermittelt. Diese Ausschüsse analysieren vergangene Grundstücksverkäufe innerhalb eines bestimmten Zeitraums – in der Regel zwei Jahre – und ziehen daraus Rückschlüsse auf den durchschnittlichen Bodenwert eines bestimmten Gebiets. Dabei wird nicht jeder einzelne Verkaufspreis herangezogen, sondern es findet eine Bereinigung statt, um Ausreißer oder Sonderfälle, wie z. B. Verkäufe unter Marktwert oder familiäre Übertragungen, herauszufiltern. Der Bodenrichtwert berücksichtigt keine Bebauung, sondern bezieht sich ausschließlich auf den reinen Bodenwert. Er dient Banken, Immobiliengutachtern, Finanzämtern und Käufern als objektive Grundlage zur Einschätzung des Werts eines Grundstücks. In der Praxis ist der Bodenrichtwert vor allem bei der Beleihungswertermittlung, der Ermittlung der Erbschaft- oder Schenkungsteuer sowie bei der Kaufpreisfindung für Immobilienkäufe von Bedeutung. Zu beachten ist, dass der Bodenrichtwert zwar eine wichtige Orientierung bietet, aber nicht den tatsächlichen Verkehrswert eines konkreten Grundstücks wiedergibt, da dieser durch individuelle Faktoren wie Zuschnitt, Lagequalität, Erschließung, Bebaubarkeit oder Altlasten beeinflusst wird. Die Bodenrichtwerte können über das Bodenrichtwertinformationssystem der Bundesländer (z. B. BORIS-D) öffentlich eingesehen werden.
Beispiel
Angenommen, der Bodenrichtwert in einem bestimmten Wohngebiet beträgt 800 €/m². Ein Käufer interessiert sich für ein 600 m² großes Grundstück ohne Bebauung. Zur groben Wertermittlung kann man den Bodenrichtwert mit der Grundstücksfläche multiplizieren: 800 € × 600 m² = 480.000 €. Diese 480.000 € geben eine erste Orientierung über den Bodenwert. Möchte der Käufer nun eine Immobilie finanzieren, wird die Bank diesen Wert unter anderem bei der Berechnung des Beleihungswerts heranziehen. Allerdings können Besonderheiten am Grundstück dazu führen, dass der tatsächliche Wert höher oder niedriger liegt.
Zusammenfassung
Der Bodenrichtwert ist ein durchschnittlicher Quadratmeterpreis für unbebaute Grundstücke in einem bestimmten Gebiet. Er wird regelmäßig von Gutachterausschüssen veröffentlicht und dient zur Orientierung bei der Wertermittlung von Grundstücken. Für Immobilienfinanzierungen ist er ein zentraler Bewertungsfaktor.
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