Erwerbsnebenkostenfinanzierung
Was ist die Bedeutung von Erwerbsnebenkostenfinanzierung?
Kurzversion
Die Erwerbsnebenkostenfinanzierung bezeichnet die gesonderte Finanzierung der beim Immobilienkauf zusätzlich zum Kaufpreis anfallenden Nebenkosten. Sie wird genutzt, wenn das Eigenkapital nicht ausreicht, um Grunderwerbsteuer, Notarkosten, Maklerprovision und ähnliche Ausgaben zu decken. Die Erwerbsnebenkostenfinanzierung ist bei vielen Banken möglich, jedoch mit höheren Anforderungen und meist schlechteren Konditionen verbunden.
ausführliche Erklärung
Die Erwerbsnebenkostenfinanzierung ist ein spezieller Bestandteil der Immobilienfinanzierung, bei dem nicht nur der Kaufpreis, sondern auch die zusätzlich entstehenden Nebenkosten über ein Darlehen abgedeckt werden. Zu den Erwerbsnebenkosten zählen unter anderem die Grunderwerbsteuer, Notar- und Grundbuchkosten, Maklerprovisionen sowie eventuell weitere Gebühren wie Kosten für ein Wertgutachten oder die Eintragung einer Grundschuld. In der Regel verlangen Banken für eine Immobilienfinanzierung, dass diese Nebenkosten aus Eigenmitteln getragen werden, da sie nicht als werthaltiger Bestandteil der Immobilie gelten und somit nicht besichert werden können. Wenn Käufer jedoch nicht über ausreichendes Eigenkapital verfügen, kann eine Erwerbsnebenkostenfinanzierung notwendig werden. Dabei gibt es zwei Varianten: Entweder werden die Nebenkosten in die reguläre Immobilienfinanzierung integriert, was meist nur mit entsprechendem Beleihungsspielraum möglich ist, oder es wird ein separates, unbesichertes Darlehen aufgenommen, das höhere Zinsen und strengere Bonitätsanforderungen mit sich bringt. Diese Finanzierungsform erhöht das Risiko sowohl für den Kreditgeber als auch für den Kreditnehmer, da sie mit einer höheren Gesamtverschuldung einhergeht. Die Erwerbsnebenkostenfinanzierung kann sinnvoll sein, wenn dadurch überhaupt erst ein Immobilienerwerb möglich wird, sollte jedoch stets mit großer Sorgfalt und unter Berücksichtigung der langfristigen Rückzahlungsfähigkeit geplant werden. Gerade in Zeiten steigender Zinsen und Immobilienpreise gewinnt die Frage der Erwerbsnebenkostenfinanzierung an Bedeutung.
Beispiel
Ein Ehepaar möchte eine Eigentumswohnung in Munster für 850.000 Euro kaufen. Die Erwerbsnebenkosten betragen rund 12 % des Kaufpreises, also etwa 102.000 Euro (Grunderwerbsteuer 6 % = 51.000 Euro, Notar- und Grundbuchkosten 1,5 % = 12.750 Euro, Maklerprovision 4,76 % = 40.460 Euro). Da das Ehepaar nur über 50.000 Euro Eigenkapital verfügt, finanziert es den Kaufpreis über ein Hypothekendarlehen und nimmt zusätzlich eine Erwerbsnebenkostenfinanzierung in Höhe von 52.000 Euro bei einem anderen Kreditinstitut auf. Die Erwerbsnebenkostenfinanzierung wird unbesichert vergeben und hat einen höheren Zinssatz von 6,5 % jährlich, im Gegensatz zum hypothekarisch gesicherten Immobiliendarlehen mit 3,2 %.
Zusammenfassung
Die Erwerbsnebenkostenfinanzierung dient dazu, beim Immobilienkauf anfallende Nebenkosten wie Steuern und Gebühren über ein separates Darlehen abzudecken. Sie wird meist dann notwendig, wenn kein ausreichendes Eigenkapital vorhanden ist. Eine Erwerbsnebenkostenfinanzierung erhöht die monatliche Belastung und sollte sorgfältig kalkuliert werden.